Aus Respekt vorm Welken

Der Generation U30 sicherlich wohlbekannt – das Augenrollen der älteren Mitbürger, sobald man sie auf dem Fußgängerweg überholt, ohne zu grüßen. Sobald man sie an der Supermarktkasse mal nicht vorlässt. Sobald man ihnen versehentlich den Rucksack in die Seite knufft. Sobald man sich mal etwas breiter macht als zwingend notwendig… Gerne garnieren unsere Alterspräsidenten diese Aktion mit dem folgenden, immer wieder gerne genommenen Satz: „Die Jugend heutzutage…“

Rentner

Ihr lieben Leute, ich möchte da ja nicht pauschalisieren – aber seit ihr sicher, das ihr noch in einer Position seid, die es erlaubt mit dem Finger auf andere Leute zu zeigen?
Ich bin mittlerweile schwer genervt von diesem gespielten Gutbürgertum – auch ihr könnt problemlos den Ablauf des Lebens der jüngeren Generation dezent und vermeidbar behindern.
Und das mittlerweile sogar abseits des Klischees, das die Oma an der Kasse vor einem immer die letzten Kupferkrümel aus dem Portemonnaie kratzen muß – während mir draußen der Bus wegfährt. Hier hat mittlerweile die Realität das Klischee überholt – heutzutage nehmen die älteren Herrschaften zwar ganz weltmännisch die EC-Karte, sind aber sowohl mit Unterschrift als auch der Kontrolle des Bons – wohlgemerkt mit wartenden Kunden im Nacken – schlicht überfordert, oder handeln dort durchaus wissentlich nach dem Motto: „Wenn jeder an sich denkt ist ja alle gedacht.“
Dann haben wir in dieser Ecke des öffentlichen Lebens auch noch die Spurblockierer – Oma Kempmeier diskutiert mit Opa Brass zwischen Nutella und Klosterfrau Melissengeist über den Tod des Dackels aus dem dritten Stock – und stellt dabei den Einkaufswagen so genau hin, das der durchfließende Kundenverkehr gar nicht umhin kommt, den Wagen zu verrücken – womit wir wieder beim Einleitungssatz wären: „Die Jugend heutzutage…“

Nicht, das es damit getan wäre den älteren Leuten einfach mal zu helfen – auch solche Menschen soll es ja noch geben. Entweder drängelt im Bus der nächste Rentner von hinten, wenn man der netten Oma mal den Gehwagen über den Treppenabsatz im Bus hievt. Alternativ reagieren ältere Leute auch sehr gerne angezickt, wenn man ihnen bei etwas hilft, was sie aus eigener Meinung noch selbst beherrschen. (Beherrschen schon, aber wenn man das abwartet, dann bin ich selber in einem Alter, wo ich nicht mehr selbsttätig den Bus verlassen kann.)

Liebe Ommas, liebe Oppas: keiner hat ein Problem damit, wenn es mal in irgendeiner Phase des Lebens etwas länger dauert – echt nicht. Das Alter zieht an uns allen vorüber, an den einen mehr, an anderen wiederrum etwas weniger. Wenn ihr das akzeptiert, wenn ihr es akzeptiert, das es auch Menschen gibt die es minimal eiliger haben als ihr – dann würden wir doch alle etwas gepflegter miteinander umgehen können. Frei nach dem Motto: Leben und Leben lassen.

 

Foto: Günter Havlena  / pixelio.de

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